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26.03.2024

Vorausschauend denken mit der Doppelten Wesentlichkeitsanalyse

Wie bleibt man in einem sich wandelnden Geschäftsumfeld regelkonform, nachhaltig und wettbewerbsfähig?

Die Wesentlichkeitsanalyse ist ein grundlegendes Verfahren zur Identifizierung vorrangiger Themen und zur Definition der Nachhaltigkeitsstrategie eines Unternehmens. Mit Inkrafttreten der europäischen CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) im Januar 2024 ist sie zu einem unverzichtbaren Bestandteil des regulatorischen Rahmens geworden. Das Ergebnis soll in Form einer Doppelten Wesentlichkeitsanalyse vorliegen, die eine objektive Bewertung sowohl der Auswirkungen des Unternehmens auf Gesellschaft und Umwelt als auch der potenziellen Auswirkungen von Nachhaltigkeitsthemen auf das Geschäft liefert. Sie basiert auf dem aktiven Dialog mit internen und externen Stakeholdern und wird durch fachliche Beratung ergänzt.

 

Die Doppelte Wesentlichkeitsanalyse wird genutzt, um zu bewerten, wie bestimmte Themen das Unternehmen in Bezug auf Geschäftsabhängigkeiten, Ressourcen und regulatorische Vorgaben beeinflussen können – ebenso wie Umfang, Reichweite und Behebbarkeit der Auswirkungen des Unternehmens auf Gesellschaft und Umwelt. Durch die Bereitstellung einer aktuellen und priorisierten Übersicht über Nachhaltigkeitsthemen ermöglicht die Doppelte Wesentlichkeitsanalyse die Entwicklung einer wirksamen Nachhaltigkeitsstrategie, die möglichst eng an den Erwartungen der Stakeholder ausgerichtet ist.

 

Im Folgenden finden Sie einen Überblick über den Ansatz von GEODIS für den Prozess der Doppelten Wesentlichkeitsanalyse und seine wichtigsten Schritte.

Durchführung einer Doppelten Wesentlichkeitsanalyse

 

Die Bewertung der Wesentlichkeit umfasst die Identifikation der sozialen, Governance- und Umweltthemen, die mit höchster Wahrscheinlichkeit Auswirkungen auf das Unternehmen und seine Stakeholder haben. Sie ist für jedes Unternehmen spezifisch und richtet sich nach Aktivität, Größe, Governance und geografischer Präsenz.

 

Welche Nachhaltigkeitsthemen sind für mein Unternehmen relevant?

 

Abgesehen von Aspekten wie CO₂-Emissionen und Arbeitsbedingungen unterscheidet sich die Wesentlichkeit von Umwelt- oder Sozialthemen von Unternehmen zu Unternehmen. Es ist daher notwendig, die für Ihr Geschäft und/oder Ihre Stakeholder spezifischen Themen zu identifizieren, zu verfeinern, zu bewerten und sie in einer Shortlist der relevantesten Themen zu organisieren.

 

Dies kann durch einen systematischen Ansatz erfolgen, der auf mehreren Quellen (intern und extern) basiert. Ziel ist es, eine ganzheitliche Sichtweise zu entwickeln, wofür ein offener Dialog mit der Geschäftsleitung, relevanten Experten sowie internen und externen Stakeholdern erforderlich ist. Die gesammelten Informationen – etwa aus Desk Research, Online-Fragebögen oder Interviews mit internen und externen Stakeholdern und Experten – sollten zudem durch objektive Daten und Belege ergänzt werden. Das Benchmarking von Nachhaltigkeitsrichtlinien und -berichten der Wettbewerber kann zusätzliche Einblicke geben, welche Themen und Aspekte in der Branche als wesentlich gelten. Ebenso hilfreich ist die Überprüfung der Bewertungskriterien für ESG-Ratings in Ihrer Branche.

 

Die „Doppelte Wesentlichkeit“ näher betrachtet 

 

Aus der Perspektive der Doppelten Wesentlichkeit kann ein Nachhaltigkeitsthema sowohl hinsichtlich der sozialen oder ökologischen Wirkung als auch im Hinblick auf Risiken und Chancen für das Unternehmen wesentlich sein. Sofern es sich nicht um ein von der Regulierungsbehörde für einen bestimmten Sektor verpflichtend identifiziertes Thema handelt, entscheidet das Feedback von Stakeholdern und Experten darüber, ob eine Auswirkung in die eine oder andere Richtung als signifikant gilt.

 

GEODIS hat im Jahr 2023 eine Bewertung der Doppelten Wesentlichkeitsanalyse durchgeführt, um unsere Liste der Nachhaltigkeitsthemen zu aktualisieren und zu priorisieren, die Entwicklung unserer CSR-Strategie zu beschleunigen und die Einhaltung der kommenden EU CSRD im Jahr 2024 sicherzustellen. Für diese erste Analyse haben wir drei Datenquellen zur Definition der externen Faktoren mit wesentlichen finanziellen Auswirkungen auf unsere Performance sowie zwei Datenquellen zur Bewertung unserer Auswirkungen auf die Gesellschaft herangezogen:

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Double Materiality EN

Ein wichtiges Instrument: Der Stakeholder-Dialog

 

Um die tatsächlichen strategischen Prioritäten eines Unternehmens durch eine Doppelte Wesentlichkeitsanalyse aufzudecken, ist die Einbindung der gesamten Organisation und ihrer Stakeholder erforderlich – nicht nur jener, die unmittelbar mit Nachhaltigkeitsmanagement und -berichterstattung betraut sind.

 

Bei GEODIS pflegen wir einen kontinuierlichen Dialog mit einer Vielzahl von Stakeholdern. Durch die Förderung dieses Dialogs gewinnen wir nicht nur Einblicke in die Auswirkungen unseres Unternehmens, sondern bauen auch Vertrauen auf, um die Nachhaltigkeit unserer Beziehungen und die gemeinsame Wertschöpfung sicherzustellen.

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Im Rahmen der Doppelten Wesentlichkeitsanalyse haben wir Interviews mit mehr als 50 unserer Stakeholder geführt. Dadurch konnten wir Informationen zu den Auswirkungen, Risiken und Chancen von GEODIS aus Sicht unseres Ökosystems sammeln. Interne und externe Stakeholder wurden eingeladen, ihre Erwartungen hinsichtlich verantwortungsvoller Geschäftspraktiken, Arbeitsbedingungen, Beziehungen zu lokalen Gemeinschaften sowie aller weiteren Auswirkungen, die GEODIS auf Gesellschaft und Umwelt haben kann, zu diskutieren. Dies ermöglichte es uns, Trends zu erkennen, unterschiedliche Sichtweisen einzuordnen und Themen zu priorisieren.

Die Herausforderungen der Priorisierung bei der Doppelten Wesentlichkeitsanalyse

 

Priorisierung der Stakeholder 

 

Die Doppelte Wesentlichkeitsanalyse bringt verschiedene Herausforderungen mit sich, insbesondere die korrekte Identifikation der einzubeziehenden Stakeholder, damit die Gesamtanalyse sowohl umfassend als auch repräsentativ ist.

 

Für ein globales Unternehmen wie GEODIS, das eine Vielzahl kultureller und regionaler Landschaften abdeckt, muss auch die kulturelle Dimension der Wesentlichkeit berücksichtigt werden. Je nach Werten, Überzeugungen sowie sozialen und politischen Rahmenbedingungen messen Stakeholder aus unterschiedlichen Kulturen bestimmten Nachhaltigkeitsthemen nicht denselben Stellenwert bei. Regionale Unterschiede müssen sorgfältig erfasst werden, um eine angemessene Repräsentation sicherzustellen.

 

Priorisierung der Themen 

 

Die Doppelte Wesentlichkeitsanalyse hilft, sowohl die Erwartungen der Stakeholder als auch die finanziellen Auswirkungen auf das Unternehmen zu priorisieren; gerade die Kombination dieser beiden Aspekte macht den Wert der Analyse aus. Beispielsweise ist Lärmbelästigung ein wesentliches Thema für Mensch und Umwelt, hat jedoch nur geringe finanzielle Auswirkungen auf das Geschäft von GEODIS. Betrachtet man hingegen das Mitarbeiterengagement, so ist dessen Einfluss auf das Geschäft von GEODIS hoch, auf die Gesellschaft jedoch moderat. Beide Themen sind wichtig und müssen adressiert werden; in der Priorisierung stehen jedoch Themen wie Treibhausgasemissionen oder Gesundheit und Sicherheit, die für alle Stakeholder von hoher Bedeutung sind, im Vordergrund.

 

Durch die Berücksichtigung beider Dimensionen können wir uns auf die Themen konzentrieren, die den größten globalen Mehrwert schaffen, Risiken minimieren und positive Auswirkungen maximieren.

 

Vorausschauend handeln durch die Bewertung Doppelter Wesentlichkeit

 

Die Bewertung der Doppelten Wesentlichkeit ist sowohl aus regulatorischer Sicht als auch im Hinblick auf die unternehmerische Nachhaltigkeit sinnvoll. In der heutigen dynamischen Geschäftswelt wird sie für zukunftsorientierte Unternehmen zu einem unverzichtbaren Werkzeug. Durch die Einbeziehung finanzieller und nicht-finanzieller Dimensionen und den Dialog mit einer Vielzahl von Stakeholdern deckt die Doppelte Wesentlichkeitsanalyse aktuelle Trends und bisher vernachlässigte Themen auf und ermöglicht eine Neubewertung der Prioritäten. Als wichtiger „Realitätscheck“ regt diese Analyse dazu an, die eigene Nachhaltigkeitsstrategie und -praxis aus einer breiteren Perspektive zu betrachten – im Sinne der gesamten Gemeinschaft und Umwelt, in der das Unternehmen agiert.

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Xavier HUCHET

Xavier Huchet

Sustainability Performance Manager

Xavier ist bei GEODIS für die außerfinanzielle Berichterstattung zuständig. Er überwacht die nachhaltige Performance der Gruppe und ihrer Tochtergesellschaften, indem er die erhobenen Daten konsolidiert und prüft. Diese Leistungsindikatoren helfen bei der Steuerung der CSR-Strategie der Gruppe. Vor seinem Wechsel zu GEODIS war Xavier in verschiedenen Funktionen im Bereich nachhaltige Entwicklung in der Agrar- und Ernährungswirtschaft tätig – sowohl in Frankreich als auch im Ausland.