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Warum benötigen wir mehr Frauen in Führungspositionen?

Eine eindrucksvolle Erläuterung unserer Expertin, Kathleen Rehbein, basierend auf ihrer 18-jährigen Erfahrung mit nachhaltigen HR-Strategien in der Logistikbranche.
Kathleen Rehbein by Kathleen Rehbein 08/03/2022
Zusammenfassung

Der Internationale Frauentag ist ein Tag im Jahr, an dem wir als Gesellschaft innehalten und Bilanz der Fortschritte ziehen, die Frauen erzielt haben. Das schätze ich!. Wir feiern ihre Errungenschaften, wir bemessen die Rolle (oder oft Rollen), die sie in der Welt spielen, und wir denken über die noch vor uns liegenden Streckenabschnitte nach. Es ist zwar unbestreitbar, dass Frauen bereits einen langen Weg zurückgelegt und etliche Hindernisse überwunden haben, aber wir müssen noch ein stabiles Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern in allen Ländern, Sektoren und Branchen erreichen.

 

Wo sind all die Frauen in den Top Management Positionen?

Wenn ich auf meine 18-jährige Laufbahn im Personalwesen zurückblicke, erkenne ich, dass bemerkenswerte Fortschritte gemacht wurden. Aber - ich weiß auch, dass die wahre Gleichstellung der Geschlechter heute noch nicht abgeschlossen ist.

Nach wie vor sind Frauen in Europa in Führungspositionen stark unterrepräsentiert ౼ ein Ungleichgewicht, das in traditionell von Männern dominierten Sektoren wie Verkehr und Logistik noch ausgeprägter ist. Es ist eindeutig, dass dies nicht auf einen Mangel an Kompetenz zurückzuführen ist. Tatsächlich belegen Studien, dass Frauen in 17 von 19 Führungskompetenzen besser abschneiden als Männer, insbesondere bei Aufgaben, die Eigeninitiative, Belastbarkeit, Selbstentfaltung, Ergebnisorientierung oder Integrität und Ehrlichkeit erfordern.

Frauen eignen sich eindeutig dazu, hervorragende Manager und Führungskräfte zu sein. Warum gibt es also ein solches Ungleichgewicht in Führungspositionen? Ich denke, das lässt sich erklären, wenn wir anerkennen, dass es ein gesellschaftliches Phänomen gibt, das weltweit und branchenübergreifend existiert. Frauen sind nicht nur Arbeitnehmerinnen, Managerinnen oder Führungskräfte, Ihnen obliegt zudem eine tragende, Rolle innerhalb der gesamten Gesellschaft. Die Verantwortung für die Betreuung von Kindern, Freunden und älteren Menschen ౼ und die damit einhergehende „physische und psychische Belastung“ ౼ wird in der Regel überwiegend von Frauen gemeistert. Dieser Verantwortung wird in der Berufswelt oft nicht angemessen Rechnung getragen ౼ im Gegenteil, überall auf der Welt erleben Frauen immer wieder Vorurteile und berufliche Beschränkungen.

Gleichzeitig sind Frauen häufig ihre eigenen größten Kritikerinnen. So schneiden sie bei der Selbsteinschätzung im Allgemeinen schlechter ab als ihre männlichen Kollegen ౼ insbesondere jüngere Frauen unter 25 Jahren. Und während Frauen dazu neigen, ihre Leistung kritischer zu sehen, neigen Männer dazu, übermäßig selbstbewusst zu sein und sich für kompetenter zu halten, als sie es tatsächlich sind. Dies verstärkt die unbewusste Voreingenommenheit, die bereits bei Einstellungen und Beförderungen besteht. Berücksichtig man all diese Faktoren, verwundert es nicht, dass Führungspositionen häufiger von Männern besetzt werden.

 

Schaffung einer echten Geschlechterparität in Führungspositionen

Die Anerkennung des Ungleichgewichts ist ein wesentlicher erster Schritt. Es ist allerdings zudem von entscheidender Bedeutung, dass Unternehmen den Vorteil diverser Teams erkennen. Heterogen besetzte Gruppen erzielen nachhaltigere Erfolge als homogene. Studien zeigen deutlich, dass es sich auszahlt, geschlechtergerecht und vielfältig zu arbeiten. Denn Frauen bringen, im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen, unterschiedliche, meist ergänzende Fähigkeiten ein. Sind beide Geschlechter gleichermaßen vertreten, fallen Entscheidungen ausgewogener, die Perspektiven vielfältiger aus ౼ kurz gesagt: Vielfalt erweitert die Möglichkeiten und bietet Unternehmen eine solide Grundlage und einen fruchtbaren Boden für nachhaltiges Wachstum.

Ich bin der festen Überzeugung, dass die einzige Möglichkeit, den Frauenanteil in Führungspositionen zu erhöhen, darin besteht, die Unternehmenskultur grundlegend zu ändern. Dies bedeutet, mehr zu tun, als lediglich Programme aufzulegen, die „präsentabel aussehen“.

Den Unternehmen kommt bei der Förderung der Geschlechtervielfalt am Arbeitsplatz eine entscheidende Rolle zu. Es liegt an ihnen, Frauen die gleichen Chancen einzuräumen und ihre entsprechenden Belange am Arbeitsplatz zu berücksichtigen. Die anstehenden Aufgaben sind konkret und beinhalten unter anderem:

  • Frauen in Führungspositionen zu fördern,
  • Leistungen bei Mutterschaftsurlaub zu analysieren und zu vereinheitlichen,
  • mögliche Gehaltsunterschiede auszugleichen,
  • Führungs- und Mentoring-Programme für Frauen zu schaffen,
  • die Vertretung von Frauen in traditionell von Männern dominierten Branchen zu fördern und
  • ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern in der Einstellungspraxis zu berücksichtigen.

 

Den Frauen eine Stimme geben

Aus der Sicht des Personalwesens sind Frauen aus unserem Arbeitsalltag und unseren Entscheidungen nicht mehr wegzudenken. Ihre Qualitäten und Eigenschaften sind von zentraler Bedeutung für die Beziehungen zu den Mitarbeitern und den Unternehmenserfolg.

Wir bei GEODIS setzen uns für eine Welt ein, in der Frauen gleichberechtigt in der Wirtschaft tätig sind. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, dass ihre Stimmen gehört werden. Unser „GEODIS Women's Network“ setzt sich für die Förderung der Inklusion, die Verringerung der beruflichen Ungleichheit zwischen den Geschlechtern und die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sowohl intern als auch extern ein. Unser regionales Frauenförderungsprojekt „Ladies First!“ zielt zum auf die Entwicklung und Befähigung von Frauen in Führungspositionen ab. Daneben werden alle Frauen gestärkt, sich in ihrem konkreten Arbeitsumfeld zu positionieren und zu vernetzen. Gemeinsam tragen diese Programme zu unserem übergeordneten Ziel bei, die weibliche Erwerbsbevölkerung zu stärken und Frauen mit konkreten Trainings- und Coachingmaßnahmen zu ermutigen, in Führungspositionen zu gelangen und dort zu verweilen.

Ich denke, dass ein echtes Gleichgewicht der Geschlechter, die sich ergänzenden Fähigkeiten und Talente von Frauen und Männern würdigt. In diesem Sinne müssen wir uns darauf konzentrieren, integrative Lösungen nicht nur für ein besseres Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern, sondern auch für ein nachhaltiges Unternehmenswachstum zu finden. Wenn ich in die Zukunft blicke, stelle ich mir eine „geschlechtergerechte Welt“ vor, eine Welt frei von Vorurteilen, Stereotypen und Diskriminierung. Eine Welt, die vielfältig, gleichberechtigt und integrativ ist. Eine Welt, in der Unterschiede wertgeschätzt und gefeiert werden.

Ich glaube, diese Welt ist zum Greifen nah, Sie nicht?

 

 

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Author
Kathleen
Rehbein
Director Human Resources, North, East and Central Europe, GEODIS
Kathleen Rehbein ist Senior Expertin für Personalwesen und Arbeitsrecht. Sie ist für nachhaltige Personalstrategien und -konzepte in der NECE-Region zuständig. Kathleen ist seit 18 Jahren bei GEODIS tätig und hatte verschiedene Funktionen im Bereich Personalwesen inne.

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